Clubhaus

18.06.2018 - Oste Rallye Hemmoor ohne Hemmung, 16 Juni 2018

von Kai Ramming

Bilder: Andreas Garleff

Einmal an einen etwas anderen Ruderwettbewerb teilnehmen wollten die Masters Ruderer Timm Volmer, Roger Mann, Andreas Garleff, Kay-Uwe Jancke und Kai Ramming und meldeten sich zum Traditionswochenende der Wasserfreunde Hemmoor im Gig Doppelvierer mit Steuermann an. Hier finden mehrere Rudertouren auf dem tideabhängigen Wiesenfluß „Oste“ statt. Ziel ist es, den Wechsel und die Stärke der Gezeitenströme bestmöglich auszunutzen. Die meisten Teilnehmer aller Altersgruppen lassen es etwas gemächlicher angehen, aber andere, so wie wir, wollen sich im Wettbewerb ein wenig messen und überhaupt 78km im strammen Tempo durchhalten. Wir beschränkten uns auf den Sonnabend weil hier auch eine Zeitmessung vorgenommen wird – mit folgenden Touren, die ja dann für den einen Tag auch reichen:

Sonnabendmorgen:

Hemmoor - Oste Sperrwerk mit dem Ebbstrom

21 Km


Weiter locker bis zum Oste Riff

4 Km

Sonnabendmittag

nach ca. 90 min. Pause auf dem Oste Riff mit dem

einsetzenden Flutstrom locker bis zum Sperrwerk

Oste Sperrwerk – Hemmoor mit dem Flutstrom

4 Km

21 Km

Sonnabend ab 17.00h,

nach ca. 2 Stunden Mittagspause mit dem restlichen Flutstrom zur Eisenbahnbrücke Hechthausen, Wende und durchlaufender Zeitmessung zurück bis Hemmoor



36 Km

                                                                       86 Km

Wohlwissend, daß uns einige Ruderkollegen im RCFH für verrückt erklärt hatten, eine so lange Strecke in unserem Alter zügig durchmessen zu wollen, brachten wir unser Boot zu Wasser und legten mit 26 bis 27, manchmal 28 Schlägen, pro Minute los.



Die allermeisten der ca. 7.850 Schläge (auf 78km) an diesem Tag fuhren wir mit ordentlichem Rhythmus und der genannten Frequenz. Das brachte uns voran und so überholten wir ein Boot nach dem anderen. Am Oste Sperrwerk angekommen lagen wir 4 Minuten unter der letztjährigen Top Zeit auf dieser Strecke. Nach Übernahme eines Care Paketes von Hella Ramming per Luftpost trieben wir essender weise an einigen Robben vorbei bis zum allgemeinen Sammelpunkt der Ruderer auf dem Oste – Riff.

Die Ruderboote werden auf dem weichen Elbschlick abgelegt, Ruderer Klönschnack betrieben oder es wird spazieren gegangen, auch um die Ausrüstung der Gegner zu inspizieren. Faszinierend der Anblick der Seeschiffe, die mit hoher Bugwelle gerade über dem Watt in nicht allzu weiter Entfernung vorbei zu schweben scheinen.

Die ersten Boote machten sich auf den Rückweg, als die Flut einsetzte während die auf Tempo bedachten Crews den mit Macht schiebenden vollen Flutstrom abwarteten bevor sie vom schon teilweise überfluteten Riff absetzten. Ab Sperrwerk wurde wieder die Zeit Richtung Hemmoor genommen.

So ähnlich wie am Morgen konnten wir viele Boote überholen und hatten die 21km trotz starkem Gegenwind wieder in ca. 1:13h bewältigt. Das mit jungen Ruderern besetzte Boot aus Neuwied hatten wir eingeholt, aber die Crew konnte uns wieder wegfahren und war so als Hauptgegner ausgemacht.

Wir waren zuversichtlich, dass wir bis dahin recht gut lagen. Einen Dämpfer bekamen wir durch die Mitteilung der Regattaleitung, daß die Zeitmessung auf der Tour zum Sperrwerk ausgefallen war. Somit war die dort erzielte gute Durchgangszeit für die Tagesabrechnung leider hinfällig geworden. Kurz darauf kamen die Zeiten für die Strecke nach Hemmoor heraus: Wir lagen mit ca. 40 Sekunden Vorsprung vorne.

Es folgte die Mittagspause. Hella Ramming kochte Nudeln auf dem Gaskocher, die uns erheblich besser bekamen als die Power Cocktails von der Oste Sandbank. Vielleicht waren die Nudeln sogar entscheidend für das was sich uns an Herausforderungen im zweiten Teil des Tages entgegen stellte:

Zunächst mußte unser stärkster Mann Roger nach Hamburg zu einem dringenden Termin. Somit konnten wir auf den folgenden 36km bis Hechthausen und zurück nicht durchwechseln. Wir bekamen über die Regattaleitung eine Steuerfrau vermittelt, die mit ihrer Ortskenntnis einen super Job machte. Entscheidend für diese Tour ist, die Abfahrt aus Hemmoor in Abhängigkeit vom eigenen Tempo so zu timen, daß man genau bei Hochwasser/Stillwasser zur Wende bei der Eisenbahnbrücke in Hechthausen ankommt. Wir legten in bester Absicht los, waren in gerade einmal 66 Minuten bei der Wende, aber eines war auch klar: Die Flut strömte noch immer stark, also ganz schlecht für unsere bevorstehende Rücktour. Moralisch minimal angeschlagen, wendeten wir und ruderten ganz dicht am Schilfgürtel entlang gegen die Strömung wieder Richtung Hemmoor. Wir gingen davon aus, dass bald Stillwasser erreicht würde und wenig später die Ebbtide schieben würde. Jeder im Boot glaubte die 40 Sekunden Vorsprung von der vorherigen Tour längst verloren als uns unsere Hauptgegner in einem für sie viel besserem Zeitfenster auf Gegenkurs entgegen kamen. Aber keiner im Boot gab auf ! Unser Kampf gegen die noch immer anströmende Flut dauerte sage und schreibe 55 Minuten bis die Strömung anhielt und wenig später tatsächlich wieder anfing, zu schieben. Timm und Kai hatten inzwischen jeder insgesamt 76km rudern in den Beinen. Bei uns allen machten sich auf den letzten 10km erhebliche Ausfallerscheinungen bemerkbar. Schlagmann Kay-Uwe bewies jedoch absolute Kampfkraft, ließ auf einer Strecke fast wie Ohlsdorf - RCFH noch einmal die Sau raus und beschleunigte den Rhythmus. Anka, unsere Steuerfrau, feuerte uns an. Der Doppelvierer der RG Hansa wurde in einer Kurve außen überholt und dann waren es nur noch 5km, die verbissen runtergezählt mit Rhythmus und Schlagzahl um die 28 bewältigt wurden. Wir hatten an diesem Abend ca. 30 Boote überholt und waren mit weitem Abstand die ersten im sehnlichst erwarteten und dann schließlich erschöpft erreichten Ziel.


First Boat home hatte zwar den Vorteil, daß der Bootsplatz noch komplett leer war, aber entscheidend war die für jedes Boot ermittelte Gesamtzeit. Diese kam erst zur Siegerehrung um 22.30 heraus, da die letzten Boote noch eintreffen mußten. Zu unserer größten Überraschung bekamen wir dann den Pokal für den schnellsten von 14 Doppelvierern. Wir freuten uns sehr darüber, daß unsere Bootsgeschwindigkeit den befürchteten Nachteil der Gegenströmung wohl mehr als ausgeglichen hatte.

Den Wasserfreunden Hemmoor mit gerade 35 aktiven Mitgliedern gelingt hier eine ganz besondere Veranstaltung: Die lange Distanz fordert jeden in Kombination mit dem Spiel der Gezeiten. Unter den Ruderern herrscht eine tolle Kameradschaft und die gewisse Lockerheit, die auf den großen Masters Regatten fehlt. In Sachen Geselligkeit liegt diese Veranstaltung ebenfalls weit vorne ! Unser Dank für ein tolles Wochenende geht an die Wasserfreunde Hemmoor !